Vietnam Tag 3
Gestern am Samstagabend im Altstadtzentrum von Hanoi: ein einziges pulsierendes Schauspiel. Schon beim Betreten der engen Straßen wurde klar: Hier schläft niemand. Der Nachtmarkt war bis in den letzten Winkel gefüllt, unzählige Händler boten ihre Waren an, dazwischen traten Kulturgruppen auf und auf kleinen Bühnen zeigten Künstler ihr Können. Musik, Stimmengewirr und das stetige Hupen der Mofas vermischten sich zu einer ganz eigenen, lebendigen Klangkulisse.

Bevor wir uns ins Getümmel stürzten, kehrten wir in ein kleines, aber sehr gutes Restaurant ein. Dort bestellte ich gedünsteten Fisch, serviert in Bananenblättern – ein echtes Highlight. Der Fisch war wunderbar zart und mit verschiedenen Pfeffersorten und frischen Kräutern raffiniert gewürzt. Kaum zu glauben, dass dieses geschmackliche Erlebnis umgerechnet nur etwa 7 € kostete.

Gestärkt ging es danach direkt hinein ins pralle Leben. In den engen Gassen standen dicht an dicht kleine Tische und Plastikstühle, überall saßen Menschen, aßen, lachten und diskutierten. Und mittendrin: die allgegenwärtigen Mofas, die sich hupend ihren Weg durch die Menschenmengen bahnten – ein scheinbar chaotisches, aber irgendwie perfekt funktionierendes System.

Eine besondere Entdeckung des Abends war der weiße vietnamesische Kaffee. Unten eine dicke Schicht gezuckerter Kondensmilch, darüber kalter, kräftiger Kaffee mit Eiswürfeln – süß, stark und unglaublich erfrischend zugleich. Ein Geschmack, der mir definitiv in Erinnerung bleiben wird.

Und trotz all der Eindrücke, der Geräusche und der Energie dieser Nacht fiel ich später ins Bett und schlief – erstaunlicherweise – wie ein Stein.
Der Tag begann früh um 9:00 Uhr mit unserer Fahrt zum beeindruckenden Literaturtempel. Diese historische Anlage, die im Jahr 1070 gegründet wurde, gilt als Vietnams erste Universität und ist dem Philosophen Konfuzius gewidmet. Über Jahrhunderte hinweg wurden hier Gelehrte ausgebildet, und bis heute strahlt der Tempel eine besondere Ruhe und Würde aus.

Vor Ort war erstaunlich viel los: Zahlreiche Schulklassen nutzten die eindrucksvolle Kulisse für Fotoshootings. Besonders beeindruckend war eine zwölfte Klasse, die ein traditionelles Weihrauchritual durchführte – ein stiller, respektvoller Moment, der die Bedeutung von Bildung und Tradition spürbar machte. Danach bekamen alle Schüler einen kleinen Plüsch-Teddy mit Doktorhut als Andenken.

Ein besonderes Highlight waren die steinernen Schildkröten, auf deren Rücken alte Steintafeln mit den Namen erfolgreicher Absolventen ruhen – ein Symbol für Weisheit und Beständigkeit. Auch der Tempelbereich mit den Figuren von Konfuzius und seinen Schülern wurde rege von Gläubigen besucht.

Anschließend ging es weiter zum Ho Chi Minh Mausoleum und dem angrenzenden Ho Chi Minh Museum. Schon beim Anblick der langen Schlangen und tausender Schüler waren wir zunächst ziemlich erschrocken. Doch alles war hervorragend organisiert: Vom Eingang bis ins Mausoleum benötigten wir gerade einmal 40 Minuten. Bei 35°C und dank der Überdachungen war das Warten gut auszuhalten. Die Schüler trugen ihre mit UV Schutz ausgestattete Pionieruniform und das rote Halstuch.


Im Mausoleum selbst bewegten wir uns zügig an dem aufgebahrten Ho Chi Minh vorbei – ein stiller und respektvoller Moment. Danach spazierten wir noch durch den Park und besichtigten sein schlichtes Stelzenhaus, das überraschend einfach eingerichtet ist. Auch die Einfahrt zum Präsidentenpalast konnten wir sehen.

Zurück in der Altstadt stärkten wir uns mit einer köstlichen Schüssel Buncha. Danach genossen wir auf einem Balkon einen typischen Eierkaffee. Besonders spannend war ein kurzer Blick in einen versteckten Hinterhof – von vorne ahnt man überhaupt nicht, was sich alles hinter den Häuserfassaden verbirgt.


In einer kleinen Brauerei gönnten wir uns anschließend ein kühles Bier, bevor unser Reiseleiter noch eine Überraschung für uns bereithielt: Plötzlich standen wir mitten auf einer schmalen Straße mit einem Gleis – und genau in diesem Moment kam auch schon der Zug. Mit unseren „dicken Bäuchen“ mussten wir uns eng an die Hauswand drücken, denn der Zug nahm fast die gesamte Straßenbreite ein. Ein unglaubliches Erlebnis, das wir so noch nie gesehen hatten!

Jetzt heißt es erst einmal ausruhen – und morgen geht die Reise weiter.