Vietnam Tag 4

Vietnam Tag 4

Eine kleine Nachbetrachtung zu gestern Abend: in einem hervorragenden Restaurant in Hanoi auf dem Balkon sitzend gab es ein tolles Essen. Ein netter Kellner zeigte mir auch, wie man das isst. Er hat sich Handschuhe geholt, und dann ging es los. Zuerst den Klops in Reispapier legen, dann das Zitronengras rausziehen, Reisnudeln und Salat dazu, im Reispapier zusammenrollen und in die Sauce ditschen. Es hat vorzüglich geschmeckt.

Von Hanoi Richtung Halong-Bucht

Um 8:30 Uhr standen wir mit unseren Koffern vor dem Hotel und warteten auf die Abfahrt. Kurz darauf ging es auch schon los in Richtung Bahnhof von Hanoi. Die Abfahrtszeit unseres Zuges war für 9:25 Uhr angesetzt und tatsächlich rollten wir pünktlich los.

Dieses Mal waren wir nicht die Zuschauer, sondern selbst Teil des Geschehens: Wir saßen im Zug, während sich andere Touristen dicht an die Hausmauern der engen Gasse drückten, um uns passieren zu lassen. Eine ungewohnte Perspektive! Während der Fahrt kamen ständig Verkäufer durch die Waggons, die Essen und Getränke anboten. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass es sich eher um einen gemütlichen Bummelzug handelte – mit durchschnittlich nur etwa 50 km/h.

Nach etwa anderthalb Stunden stiegen wir wieder aus. Unser Fahrer, der uns mit dem Gepäck vorausgefahren war, wartete bereits auf uns. Von dort ging es weiter in ein sogenanntes Vorzeigedorf, in dem wir ein Wasserpuppentheater besuchten.

Schon auf dem Weg dorthin beeindruckte uns die Landschaft: sattes Grün, endlose Reisfelder – ein Panorama, das kaum schöner sein könnte. Am Dorfrand wurden wir abgeholt und direkt zum Theater gebracht. Dieses befand sich unter freiem Himmel und zu unserer Überraschung waren wir die einzigen drei Zuschauer.

Das Wasserpuppentheater hat eine lange Tradition in Vietnam und entstand vermutlich im 11. Jahrhundert im Norden des Landes. Ursprünglich wurde es von Bauern in überschwemmten Reisfeldern aufgeführt. Die Puppen bewegen sich dabei auf der Wasseroberfläche, gesteuert von Puppenspielern, die hinter einem Vorhang im Wasser stehen. Die Stücke erzählen meist Geschichten aus dem ländlichen Leben, von Legenden oder historischen Ereignissen.

Die Vorstellung dauerte etwa 30 Minuten. Am Ende traten acht junge Frauen hinter dem grünen Vorhang hervor und verbeugten sich. Die begleitende Musik und die Geräusche waren für unsere Ohren zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch die Geschichten selbst konnten wir auch ohne Vietnamesischkenntnisse gut verstehen.

Anschließend wurden wir auf einer offenen Terrasse mit einem Mittagessen verwöhnt. Wie schon so oft wurde eine Vielzahl an Gerichten aufgetischt – alles frisch, abwechslungsreich und sehr lecker.

Danach ging es mit einem Elektro-Tuk-Tuk durch das Dorf. Besonders eindrucksvoll war ein alter, ungewöhnlicher Friedhof. Jede Familie besitzt dort ihre eigene Pagode. Nach etwa fünf Jahren werden die Verstorbenen erneut ausgegraben, die Gebeine gereinigt und anschließend in kleinen Behältern in diesen Pagoden beigesetzt. Die Bauwerke ziehen sich teilweise den ganzen Berg hinauf – ein faszinierender und zugleich fremdartiger Anblick.

Ein weiteres Highlight war der Besuch bei einer etwa 80-jährigen Dame, die uns ihr denkmalgeschütztes Haus zeigte. Noch mehr beeindruckte mich jedoch ihr Garten mit den zahlreichen Bonsais. Man konnte sich gut vorstellen, wie viel Arbeit und Geduld in deren Pflege steckt.

Danach lag noch etwa eine Stunde Fahrt bis zur Halong-Bucht vor uns. Kurz vor der Ankunft – etwa zehn Minuten vorher – legten wir noch einen Stopp an einer Raststätte ein. Dort mussten wir an einer kleinen Führung zur Perlenherstellung teilnehmen. Schon auf den ersten Blick war klar, dass die Verkäuferinnen uns nicht unbedingt als kaufkräftige Kundschaft einschätzten. Dennoch wurden wir durch ein riesiges Verkaufsgebäude geführt. Die angebotenen Perlen waren allesamt Zuchtperlen aus der Halong-Bucht – allerdings zu Preisen, die unser Reisebudget deutlich gesprengt hätten.

Viel interessanter war ohnehin der gegenüberliegende Berg: Dieser wird Stück für Stück abgetragen, während unzählige LKWs unermüdlich hinauf- und hinabfuhren. Offenbar wird ein Teil der Halong-Bucht aufgeschüttet, um Platz für eine neue künstliche Stadt zu schaffen – ein beeindruckendes, aber auch nachdenklich stimmendes Projekt.

Ein Berg wird abgetragen. Im UNESCO Welterbe Gebiet.

Im Hotel angekommen, wurden wir mit einer fantastischen Aussicht aus dem achten Stock belohnt. Die Zimmer waren hervorragend eingerichtet, und sogar die Zierkissen passten farblich perfekt zu meinem Koffer.

Das Abendessen wollten wir wie immer in einem kleinen Restaurant einnehmen. Der Versuch misslang. So ein schlechtes Essen hatten wir noch nie. Deshalb gibt es auch kein Bild davon! Mit einem Kaffee an der Hotelbar wurde der widerliche Geschmack weggespült.